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Wie und warum ist es zur Flutkatastrophe gekommen?

◷ Geschätzte Lesedauer: 3 Minuten

Einige Tage nach der schweren Flutkatastrophe steht immer noch diese quälende Frage im Raum. In den Medien findet man von wilden Spekulationen bis hin zu scheinbar handfesten Vorwürfen allerlei Behauptungen vor. Aber was stimmt?

Doch auch wenn ich mich selbst kaum in der Lage dazu fühle, mich dazu zu äußern, sehe ich doch eine Notwendigkeit. Denn manche dieser Aussagen sind derart gefährlich, dass darüber geredet werden muss. Darum möchte ich hier die fünf bekanntesten untersuchen und einordnen.

Also … Wer oder was ist denn nun schuld an der Flutkatastrophe?

1. Behauptung: Die Flutkatastrophe sei durch gezielte Wettermanipulationen ausgelöst worden.

Bewertung: Falsch.

Weder HAARP (eine Forschungsanlage in Alaska zur Untersuchung der Ionosphäre mittels Radiowellen) noch Geoengineering (Entwicklung künftiger Klimabeeinflussung durch Wolkenmanipulation) können Starkregen auslösen – dies zeigt der Bayerische Rundfunk im Interview mit dem Physiker und Verschwörungstheorie-Experte Holm Hümmler sowie dem Deutschen Wetterdienst klar auf.  Zum einen können Radiowellen nicht unser Wetter beeinflussen, da sie die Troposphäre nicht berühren, zum anderen existiert in Deutschland keine HAARP-Anlage. Darüber hinaus ist es bislang technisch nicht möglich, das Wetter durch Wolkenmanipulation zu beeinflussen.

2. Behauptung: Die Regierung habe die Flutkatastrophe ausgelöst, um frühere Bunker zu fluten und damit Beweise über festgehaltene Kinder zu vernichten.

Bewertung: Falsch.

Diese Behauptung, die aus der QAnon-Bewegung stammt, ist – wie alle Behauptungen aus dieser Bewegung (!) – frei erfunden und nicht belegbar. Allgemein gilt große Vorsicht. Die QAnon-Verschwörungsmythen sind eng verwoben mit antisemitischen Weltanschauungen. (Mehr dazu siehe in meinem Blogartikel „Das Coronovirus & Bill Gates“.)

3. Behauptung: Der Klimawandel sei schuld.

Bewertung: Teilweise richtig/noch nicht nachweisbar.

Grundsätzlich trägt der Klimawandel dazu bei, dass es allgemein häufiger zu Naturkatastrophen kommt – insbesondere zu Überflutungen, da sich in der aufgewärmten Luft mehr Feuchtigkeit sammeln kann. Doch ob zwischen den aktuellen einzelnen Starkregenereignissen und dem Klimawandel Zusammenhänge bestehen, ist laut dem Deutschen Wetterdienst noch nicht belegt.

4. Behauptung: Das Warnsystem in Deutschland sei unzureichend und die Politik habe versagt.

Bewertung: Größtenteils korrekt.

Die Flutkatastrophe hat gezeigt, dass aktuelle Warnsysteme und Schutzmechanismen viele Mängel aufweist. Dazu zählen u. a. ungeklärte Kompetenzen (vor allem zwischen Bund, Ländern und Kommunen), mangelnde Geschwindigkeit in Absprachen (auch zwischen Medien und Ländern/Kommunen), veraltete Systeme (Sirenen/Apps). Andere Länder wie die USA setzen hierfür seit Langem Warnsysteme wie Cell Broadcasting ein, um Menschen über ihre Mobiltelefone per Textnachricht verlässlich zu warnen. Gleichzeitig muss meines Erachtens aber eingeräumt werden, dass eine Katastrophe auch eine besondere Herausforderung für jedes noch so gute System oder klugen Kopf ist.

5. Behauptung: Gott habe die Flut als Strafe für den Missbrauch des Regenbogen-Symbols geschickt. 

Bewertung: Das können wir nicht wissen.

Und in Anbetracht einer solchen leidvollen Situation, ist es anmaßend und lieblos (!), solche Behauptungen zu verbreiten. Wäre Jesus nicht für uns gestorben, hätten wir alle einen grausamen Tod verdient. Doch Gott ist gnädig – allen Menschen gegenüber. Also dürfen wir nicht denken, wir seien besser als andere. 

Wahr ist aber: 

  1. Gott hat die Flutkatastrophe zugelassen. Auch wenn wir den Grund nicht kennen oder nachvollziehen können. (Amos 3,6)
  2. Wir leben in der Endzeit. Die Welt und die Menschheit sind seit dem Sündenfall dem Tod und Verfall preisgegeben – also wird es unweigerlich immer wieder und immer öfter zu Naturkatastrophen kommen.

Deswegen:

  1. Wir sollten – auch inmitten des Leids – auf Gott vertrauen. Denn er ist der Schöpfer von Himmel und Erde, liebt seine Kinder über alles und möchte jedem Menschen die Chance zur Umkehr geben.
  2. Wir sollten nach dem „Wozu?“ fragen. Denn wir sollen als Hoffnungsträger ein Zeugnis der Gnade und Liebe Gottes sein (Röm 5,5), indem wir die Opfer und Betroffenen durch Gebet, Spenden oder praktische Hilfe vor Ort unterstützen.

 

Quellen:
· T-Online: Wie „Querdenker“ die Not der Flutopfer ausnutzen
· Neue Zürcher Zeitung: Ist der Klimawandel schuld am Hochwasser 2021?
· Süddeutsche Zeitung – Das Thema: So gefährlich ist QAnon
· FAZ Podcast für Deutschland: Nach der Flutkatastrophe: Über 100 Tote, 1000 Vermisste, unendlich viele Fragen
· BR24: #Faktenfuchs: Die Hochwasser wurden nicht künstlich ausgelöst
· Twitter – Tilo Jung: Ahnungslose Regierung
· RedaktionsNetzwerk Deutschland: Katastrophenschutz: Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern
· T-Online: Kreis in NRW löste Warnsirenen bewusst nicht aus

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