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Ich war christliche AfD-Wählerin. Das sind eure meistgestellten Fragen.

◷ Geschätzte Lesedauer: 3 Minuten

Ich war früher AfD-Wählerin aus christlich-fundamentalistischer Überzeugung. Und ihr habt mir dazu in den letzten Wochen etliche Fragen gestellt, die ich heute gerne beantworten möchte.


1. Was hat dich damals überhaupt dazu gebracht, die AfD zu wählen?

In meinem Umfeld wurde mir vermittelt, dass die AfD fast die einzige Partei mit christlichen Werten sei.

Problematische Aussagen innerhalb der Partei habe ich als Aussagen einzelner Personen abgetan – und nicht als etwas, das die Partei als Ganzes beschreibt.

Und mit der ChrAfD („Christen in der AfD“) gab es für mich sogar vermeintliche Beweise dafür, dass dort „wiedergeborene Christ:innen“ politisch aktiv waren.

2. Was daran hast du damals als christlich empfunden?

Vor allem zwei Dinge:

Ich war gegen Abtreibung, weil ich für das Leben ungeborener Kinder eintreten wollte.

Und ich war gegen die Ehe für alle und LGBTQ-Rechte, weil ich davon überzeugt war, dass nur das traditionelle Familienbild der Bibel entspreche.

Damals waren das für mich christliche Werte.

3. Wie konntest du AfD und Nächstenliebe miteinander vereinbaren?

Die ehrliche Antwort: Ich habe den Widerspruch gar nicht gesehen.

Migration war für mich damals überhaupt kein Thema.

Problematische Aussagen habe ich weiterhin als Aussagen einzelner Personen abgetan.

Und die rassistische Prägung der AfD und meine eigene rassistische Prägung habe ich überhaupt nicht reflektiert.

Ich war dafür schlicht nicht sensibilisiert.

4. Hast du damals das Wahlprogramm gelesen?

Nicht vollständig.

Ich habe hauptsächlich Kurzfassungen gelesen, mich über den Wahl-O-Mat informiert und auf das gehört, was mir christlich-fundamentalistische Freund:innen erzählt haben.

Heute weiß ich: Das ist keine gute Grundlage für eine Wahlentscheidung.

5. Hat deine Gemeinde deine politische Haltung beeinflusst?

Nicht direkt.

In meiner damaligen Freikirche herrschte eher eine „unpolitische“ Haltung. Man hielt sich größtenteils aus Politik heraus – abgesehen von Themen wie dem Marsch für das Leben.

Der entscheidende Einfluss kam für mich vor allem durch fundamentalistische Freund:innen außerhalb der Freikirche sowie durch Social Media und das Internet.

6. Hat dich die amerikanische evangelikale Bewegung beeinflusst?

Ja. Definitiv.

Während ich AfD-Wählerin war, war ich auch Trump-Supporterin – ebenfalls aus religiöser Überzeugung.

Ich war damals für Trump und gegen Hillary Clinton, unter anderem weil ich ihre Haltung zu Abtreibung ablehnte.

Der amerikanische Kulturkampf hat meine politische Wahrnehmung also durchaus geprägt.

7. Was hat dein Umdenken ausgelöst?

Mein erstes politisches Umdenken begann 2020 während Corona.

Viele Menschen in meinem christlich-fundamentalistischen Umfeld rutschten massiv in Verschwörungsmythen ab. Damit konnte ich mich überhaupt nicht identifizieren und begann, stärker auf wissenschaftliche Fakten zu hören.

Der zweite große Wendepunkt kam 2021 durch meine Glaubensdekonstruktion.

Durch meinen heutigen Mann, einen studierten Theologen, wurde ich erstmals mit Fakten über die Bibel und meinen Glauben konfrontiert, die ich vorher nie gehört oder ignoriert hatte.

Auch damit, dass meine Queerfeindlichkeit Menschen schadet, musste ich mich auseinandersetzen.

Es war ein extrem schmerzhafter Prozess.

8. Wie bist du aus dieser Bubble herausgekommen?

Ich habe mich mit Hilfe meines Mannes sehr intensiv neu mit meinem Glauben auseinandergesetzt.

Dazu kamen Podcasts und Bücher aus theologischer, feministischer und queerer Perspektive.

So konnte ich nach und nach zu einem menschenfreundlichen Glauben finden – und meinen eigenen Wertekompass reflektieren und festigen.

9. Was würdest du Christ:innen sagen, die heute AfD wählen oder mit ihr sympathisieren?

Wenn ihr irgendwann Zweifel bekommt:

Ich bin für euch da.

Ihr könnt mit mir sprechen.
Ich höre euch zu.
Ohne Verurteilung.

Ihr seid nicht allein.

10. Was wählst du heute und bist du überhaupt noch Christin?

Ja. Ich bin noch immer Christin.

Aber heute bin ich auch intersektionale Feministin.

Und deshalb wähle ich heute links-grün.

Meine politische Haltung hat sich verändert, weil sich auch mein Glaube und mein Wertekompass verändert haben.

Abschließende Worte:

Ich erzähle euch das nicht, weil ich stolz darauf bin, AfD gewählt zu haben.

Sondern weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die heute dort stehen, wo ich damals stand.

Und vielleicht hilft ihnen meine Geschichte dabei zu verstehen:

Man kann seine Meinung ändern.
Man kann aus einer Bubble herauskommen.
Und man darf neu anfangen.

1 Kommentar
  1. Florian Hurlbrink sagte:

    Du hast gut und nachvollziehbar erklärt, warum Du damals die AfD gewählt hast. Damals hatten Dich andere fundamentalistische Christ*innen dazu manipuliert gehabt. Du kannst stolz auf Dich sein, das alles mit Unterstützung deines Mannes reflektiert und aufgearbeitet zu haben und auf Deine positive Entwicklung. Du hast Dich weiterentwickelt und wählst vernünftigerweise nicht mehr die AfD. Der Artikel ist eine wichtige und wertvolle Grundlage für Menschen, die darüber nachdenken, nicht mehr die AfD zu wählen.

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