Warum würde ich abtreiben?
Als christliche Fundamentalistin habe ich früher geglaubt:
„Abtreibung ist Mord und immer eine Sünde. Kinder hingegen sind immer Geschenke Gottes.“
Als ich 2022 aus meiner Freikirche ausgestiegen bin und mein Weltbild hinterfragt habe, dachte ich zunächst:
„Ich selbst möchte niemals abtreiben. Aber ich würde diese Entscheidung niemals einer anderen Person aufzwingen.“
Ich sah damals schon: Menschen haben viele nachvollziehbare, legitime Gründe. Vielleicht fehlt eine stabile Partnerschaft, finanzielle Sicherheit, eine geeignete Wohnsituation oder die Person ist psychisch stark belastet.
Aber einen Grund habe ich damals nie gesehen: Manche Menschen wollen einfach keine Kinder.
Bis ich bei mir selbst gemerkt habe:
Ich will jetzt kein Kind. Ich will nicht schwanger sein. Ich will nicht gebären.
Ich hätte weder die emotionalen noch die finanziellen Kapazitäten, geschweige denn die Lust angesichts von Altersarmut, Care Arbeit, Mental Load, Benachteiligung im Job und neurodiversen Müttern, die durch Kinder dauerhaft an ihre Grenzen kommen.
Ich will das jetzt nicht. Ganz einfach.
Und dieses Nein reicht aus. Dieses Nein ist vollkommen gut und mein Recht. Ich darf selbst über meinen Körper und mein Leben bestimmen.
Ich muss nicht in das Bild einer braven, hingebungsvollen Christin oder Frau passen. Ich darf egoistisch sein. Ich MUSS sogar egoistisch sein. Denn ein Kind ist nicht einfach eine neue Haarfarbe – es begleitet mich dauerhaft und ich trage die Verantwortung. Also muss diese Entscheidung wohlüberlegt sein.
Und ich habe sie getroffen. Vielleicht denke ich in 5 Jahren anders. Aber heute sage ich: Ich würde abtreiben, wenn ich jetzt schwanger werde.





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