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Warum ich nichts „Nettes“ über Männer und Christ:innen sage

◷ Geschätzte Lesedauer: 3 Minuten

Nett sein können wir uns nicht mehr leisten. Vor allem nicht gegenüber potentiellen Täter:innen.

Ich erkläre euch, warum:

Die Ausgangssituation

Die Kritik an Männern und Christ:innen ist derzeit so laut und stark wie selten zuvor – und das hat einen Grund.

➡ Männer sind die privilegierteste Gruppe aller Geschlechter in Deutschland.

➡ Christ:innen sind die privilegierteste Gruppe aller Religionen in Deutschland.

Und das bedeutet: Sie haben viel Macht, die auch missbraucht werden kann, und müssen dafür entsprechend Verantwortung übernehmen.

Das ist keine Meinung, sondern Realität.

Kritik, aber bitte freundlich

Und trotzdem (oder vielleicht genau deswegen) höre ich sowas immer wieder (s. Screenshot unten).

Die Fragen, die wir uns dabei stellen sollten:

  • Wer stellt diese Forderung nach Freundlichkeit und Differenzierung („aber nicht alle!“) eigentlich?
  • Warum immer dann, wenn berechtigte Kritik geäußert wird?

Tone Policing

Diese Forderung bzw. Taktik hat einen Namen: Tone Policing.

Plötzlich geht es nicht mehr darum, was ich sage, sondern wie ich es sage. Ob es nett genug ist. Ob es ausgewogen klingt. Ob es niemanden zu sehr auf die Füße tritt.

Das ist ein (bewusstes oder unbewusstes) Ablenkungsmanöver. Und es funktioniert leider öfter als gut wäre für unsere Gesellschaft.

Fragile Egos

Wer diese Taktik am häufigsten verwendet?

Meiner Erfahrung nach sind es vor allem die Gruppen, die gesellschaftlich am privilegiertesten sind (also bspw. Männer und Christ:innen), die am empfindlichsten auf Kritik reagieren.

Denn wer nie gelernt hat, hinterfragt zu werden, empfindet Hinterfragen als Angriff.

Fragile Egos von Männern oder Christ:innen sind dabei nicht unbedingt ein persönliches Versagen, sondern viel mehr direkte Resultate von gesellschaftlichen Privilegien, die nie benannt und reflektiert wurden.

Whataboutism

„Aber sag doch auch mal was Nettes!“, ist daher keine harmlose Bitte.

Es ist Whataboutism – ein Ablenkungsmanöver. Es verschiebt den Fokus weg vom eigentlichen Inhalt der Kritik hin zur Ausdrucksweise und angeblicher fehlender Ausgewogenheit in der Sprache und Mittel.

Aber Ausgewogenheit zwischen Mächtigen und weniger Mächtigen ist keine Ausgewogenheit. Es ist die Verteidigung des Status quo zugunsten der Mächtigen & Privilegierten.

Strohmänner

Gerne werden in diesem Kontext auch Strohmänner aufgebaut, um Kritik zusätzlich zu schwächen und zu delegitimieren.

Mir selbst wird oft unterstellt, dass ich sagen würden, „alle Männer und Christ:innen seien böse“.

Das ist eine bewusste Verzerrung meiner Position, die ich so nie gesagt habe.

Ich sage: Männer und Christ:innen profitieren von Strukturen, die andere diskriminieren und missbrauchsanfällig sind.

Meine Geschichte

Ich war selbst über 11 Jahre in einer Freikirche, in der Kritik an den leitenden Männern und den Regeln der Freikirche nicht vorgesehen war.

Ich weiß, was das Schweigen (oder „in Zuckerwatte packen“ von Kritik) für Konsequenzen hat. Wie es sich anfühlt, wenn berechtigte Fragen als Illoyalität gelten. Wenn „Nettigkeit“ zur Pflicht wird und Wahrheit zur Provokation.

Genau deshalb schweige ich heutzutage nicht mehr.

Fazit

Kritik ohne nette Verpackung an mächtigen Gruppen ist keine Gemeinheit. Sie ist keine Hetze. Sie ist notwendig – und zwar so lange, wie die Strukturen bestehen, die sie hervorrufen.

Ich sage nichts unnötig Nettes, weil Nettigkeit hier nicht hilft und nur wertvolle Ressourcen für den Kampf gegen Ungerechtigkeit verschwendet.

Ich sage, was gesagt werden muss. Und wenn das nichts Nettes ist, dann gibt es auch nichts Nettes zu sagen.

Lernt endlich mit Kritik umzugehen, liebe Männer und Christ:innen.

PS:

Wenn ihr keinen Bock habt, euch und eure Privilegien zu reflektieren und Verantwortung zu übernehmen und stattdessen in meinen Kommentaren rumpöbelt, dann seid ihr hier falsch.

Ich mache keine kostenlose Bildungsarbeit für erwachsene Menschen, die sich wie bockige Kinder aufführen.

1 Kommentar
  1. lukas7680 sagte:

    Hallo Daniela!

    Ich finde das überhaupt nicht schlimm, dass du unverblümt Kritik an Christen übst

    Im Gegenteil, Missstände im Christentum gehören sogar angesprochen

    Bei dir finde ich sogar eine absolut interessante Parallele zu Jesus und den Pharisäer

    Jesus nahm sich bei der Kritik an den Pharisäern auch kein Blatt vor den Mund

    Es dürfte sich vor allem die christliche Elite bei dir angegriffen fühlen

    Auf jeden Fall stehe ich hinter dir und zeige weiterhin Missstände in der Christenheit auf, denn damit hilfst du unglaublich Christen die Opfer von geistlichen Missbrauch wurden

    Antworten

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