Wie aus meinem Community-Treffen plötzlich ein Protest gegen radikale Christ:innen wurde
Vor zwei Wochen, am Samstag, den 23. Mai, habe ich mich mit ein paar Leuten aus meiner Community (größtenteils bestehend aus Freikirchen-Aussteiger:innen wie mir) zum Brunchen in Heidelberg getroffen …
Der Tag fing ganz entspannt mit Leckereien sowie Gesprächen über unsere schlechten Erfahrungen mit Freikirchen und fundamentalistischen Gläubigen an.

Im Anschluss an den Brunch haben wir unsere Location gewechselt, um Eis essen zu gehen und paar Touri-Hotspots zu besichtigen.
In Heidelberg war’s an dem Tag allerdings nicht nur extrem warm mit über 30° C, sondern auch extrem voll wegen vieler Touris wie uns (lol).

Auf dem Rückweg zum Parkplatz und zum Bahnhof ist es dann passiert:
Wir sind zufällig an einem evangelikal anmutenden „Jesus-Marsch“ vorbeigekommen, der durch die volle Innenstadt gezogen ist. Die Leute des Marschs haben währenddessen laut Lobpreis-Lieder gesungen und „Jesus“ gerufen. Ohne jeglichen Gegenprotest.

In einem impulsiven Moment habe ich dann reagiert und ganz allein begonnen, dem Marsch entgegen zu brüllen:
„Rechte für queere Menschen!“ und „Menschenrechte!“
Anhand der Reaktionen der Leute im Marsch wurde ich wohl entweder erkannt (ich bin eine bekannte Freikirchen-Aussteigerin in Deutschland) oder zumindest kritisch beäugt.
Aber mir war es in dem Moment so wichtig, ein sichtbares Zeichen zu setzen, dass diese scheinbar harmlosen, evangelikalen Botschaften des „Jesus-Marschs“ vielen Menschen reales Leid zufügt: ganz besonders Frauen und queere Personen.
Frauen und queere Menschen werden nämlich in evangelikalen Strukturen oft sehr stark diskriminiert. Das hat m.E. nichts mit der „frohen, christlichen Botschaft“ zu tun.

Nach meinem Community-Treffen hat sich dann herausgestellt, dass dieser „Jesus-Marsch“ von der Freikirche „Die Taube“ aus Heidelberg initiiert wurde.

Eben diese Freikirche hat an dem betreffenden Wochenende eine Pfingstkonferenz abgehalten, bei der auch Gründerin & Vorstandsvorsitzende des Vereins „Mission Freedom“ Gaby Wentland eingeladen war. Eine Person, die derzeit mit ihrem Verein nicht unbedingt positiv in der Presse auftaucht …

Zum Abschluss möchte ich sagen:
Der Tag meines Community-Treffens ist mit vielen guten, aber auch sehr intensiven Eindrücken zu Ende gegangen.
Zum einen mit der Überzeugung, dass es richtig war, meine Stimme gegen diesen „Jesus-Marsch“ zu erheben. Zum anderen mit Freude darüber, dass ich es geschafft habe, einen Safe Space mit wundervollen Menschen zu kreieren.
Ich bin so stolz auf mich und meine Arbeit hier. Und auf die Menschen, die sich wirklich um Gerechtigkeit und Nächstenliebe bemühen.

Fotos: Johanna Degenstein (Bild 1, 2, 3, 8) & privat (Bild 4, 5)



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