„Klimaschutz ist Götzendienst“ – Warum dieses Framing kein Zufall ist
Kennst du dieses Narrativ auch? Was steckt eigentlich hinter dieser Aussage?
Das wollen wir dir heute erklären.
Denn wir beide kennen diese Aussage sehr gut und haben sie sogar selbst lange geglaubt.
Doch bei intensiverer Auseinandersetzung damit wurde uns bewusst, dass die Aussage nicht nur inhaltlich falsch ist, sondern auch manipulativ und machtmissbrauchend sein kann … auf Kosten unserer Erde und vieler Menschenleben.
Das Phänomen
In vielen fundamentalistischen Kreisen wird behauptet:
- Nachhaltigkeit sei eine „Ersatzreligion“.
- Klimaschutz verdränge Gott, denn Gott müsse an erster Stelle stehen.
- Umweltbewegungen seien „ideologisch“ oder „antichristlich“, denn nur Jesus könne die Erde retten.
- Seelen zu retten, sei wichtiger als Klimaschutz.
Aber woher kommt dieses Narrativ?

Theologische Grundlage
Begründet sind diese Haltungen im für den Fundamentalismus typischen Dualismus:
- Starke Trennung zwischen „geistlich“ und „weltlich“
- Fokus auf Himmel statt Erde
- Welt gilt als „vergänglich“ oder „gefallen“
- Der Mensch steht über den Tieren und der Natur, weil er einen „Herrschaftsauftrag“ über die Erde habe
Implizite Botschaft: Warum eine untergehende Welt retten, wenn das Ziel der Himmel ist?
Darum liegt der Fokus auf „geistlichen” Themen, anstatt auf diesseitigen, „irdischen“ Themen wie Klimaschutz.
Endzeit-Theologie
Viele fundamentalistische Strömungen:
- glauben an ein baldiges Weltende
- sehen Naturkatastrophen als Zeichen der Endzeit
- interpretieren die Klimakrise als „göttlichen Plan“
Konsequenz:
Klimaschutz ist für viele fundamentalistische Gläubige irrelevant, weil die Erde „so oder so untergehen wird“. Noch schlimmer:
Klimaschutz wirkt wie Widerstand gegen Gottes Plan.
Politische Verflechtung
In konservativ-evangelikalen Kreisen (besonders US-geprägt) besteht:
- Nähe zu rechtskonservativen Parteien.
- Ablehnung „linker“ Politik.
- Klimaschutz wird mit Progressivismus, Feminismus, LGBTQ+ etc. verknüpft, worin viele fundamentalistische Gläubige Feindbilder und Verstöße gegen Gottes Willen sehen.
Ergebnis:
Klimaschutz = Teil eines „kulturellen Gegners“ (die „bösen linksgrün-versifften Woken“).
Der Götzenvorwurf als Machtinstrument
Wenn etwas als „Götze“ bezeichnet wird, passiert Folgendes:
- Moralische Abwertung.
- Manipulation durch Angst.
- Das Framing verteidigt das eigene Weltbild und die eigene Bequemlichkeit.
Die Ironie an der Sache
Schöpfungsbewahrung und Verantwortung für die Erde sind biblisch verankert! Laut der Bibel ist der Mensch ein Teil der Schöpfung und steht nicht über ihr. Zudem wird die Erde nicht vernichtet, sondern neu gemacht werden. Das ruft uns in die Verantwortung.
Denn unsere jetzige Ignoranz oder Verantwortungsübernahme (in Form von christlicher Nächstenliebe) wird unweigerlich kommende Generationen von Menschen, die unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden, betreffen.
Aber das wird gerne zugunsten der eigenen Agenda und persönlichen Wohls („Mich betrifft’s ja nicht“) ignoriert.
Psychologische Dimension
Unsere Thesen, was hinter dem Phänomen steckt:
- Identitätsbedrohung der eigenen Botschaft („Die Erde wird untergehen und Jesus ist der Retter, nicht die Menschen”).
- Kontrollverlust über Engagement in (Frei-)Kirchen, denn Christ*innen sollen sich für das „Reich Gottes” innerhalb kirchlicher Strukturen engagieren und nicht bei „Klimabewegungen“.
- Angst vor gesellschaftlichem Wandel.
- Abwehr von Schuldgefühlen über unnachhaltigen Lebensstil oder sogar Rechtfertigung von unnachhaltigen Entscheidungen, die für den Einsatz für „Gottes Reich” notwendig sind.
- Bequemlichkeit, Privilegien und mögliche Konsequenzen des Hinterfragens und Veränderns des eigenen Lebensstils.
Fazit
Klimaschutz und -gerechtigkeit werden nicht als „Götze“ geframt, weil sie womöglich tatsächlich Gott ersetzen würden, sondern weil sie Machtstrukturen und Weltbilder hinterfragen.
Denn Klimaschutz ist ein Ausdruck von Nächstenliebe und biblisch verankert.
Hast du dieses Narrativ auch schon gehört oder früher sogar selbst geglaubt?
Was denkst du heute darüber?
Beispiele, über die wir im Post sprechen:
- Leo Bigger (ICF Zürich): „Was würde Jesus zum Klimawandel sagen?“
- Jonathan Albrecht: „Wir reden mehr über Klimaschutz als über Seelenschutz“
- ERB Frankfurt: „Corona, Klima, Gender – Wo seid ihr, Christen?“
- crosstalk: „Greta oder Gott?“
- Ketzer der Neuzeit: „DAS verschweigen sie Dir über den Klimawandel…“
Foto: Freepik
Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Anja von @nachhaltig.glauben entstanden.




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